Eisgewinnung - Widdershausen aktuelles Projekt

Chronik Widdershausen
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Eisgewinnung

Dorfleben
Manuelles Eissägen, die Holzbohlen dienen als Führungslinie
Mit Eisstechern und Eiszangen werden die Blöcke geborgen
Verladen der Eisblöcke über eine Rampe auf einen Pferdewagen
Eisernte, Eissägen, Eisfischen und der Eiskeller
Die Kühlung mittels Natureis oder Schnee stellt entgegen landläufiger Ansicht eine sehr alte Konservierungstechnik dar. Im Mittelmeerraum bis weit in die Antike zurückzuverfolgen, reichen die Quellen hierzulande immerhin bis ans Ende des 16. Jahrhunderts. In Hessen spielte das auf Seen und Flüssen "geerntete" Natureis bis weit in das 20. Jahrhundert eine bedeutende Rolle für das Gewerbe (Bierbrauereien besaßen meist spezielle Eisweiher, Molkereien, Gaststätten, Fleischereien, Krankenanstalten etc.) und zunehmend auch in den Privathaushalten.
Bei der Gewinnung und Abfuhr waren, wie diese Aufnahme aus den 50er Jahren in der Nähe von Lauterbach zeigt, nahezu 20 Männer nötig (Georg Eurich 1950).
Die künstliche Kälte hat sich erst ganz allmählich gegenüber dieser "natürlichen" Alternative durchzusetzen vermocht. Die Kältemaschine blieb jahrzehntelang auf die Großindustrie beschränkt. Nicht von ungefähr bezeichnen viele heute noch ihren elektrisch betriebenen Kühlschrank als "Eisschrank".

Auch der Brauer- und Mälzerkalender von 1880 mahnte die Leser im Januar: "Mit Eis stopf' deine Keller voll, wenn dir dein Bier gelingen soll!"
Der größte Widdershäuser Eiskeller gehörte zur Fleischerei und Gaststätte Schneider, heute Mäder. Es ist das Backsteingebäude am linken Bildrand.
Auch in Widdershausen wurde von den Gaststätten noch Natureis zu Kühlzwecken verwendet. In Widdershausen wurde die Werra für die Gewinnung von Natureis genutzt. Gegenüber der Gastwirtschaft Mäder gab es am Steilhang zur „alten Kiesgrube“ einen Eiskeller, der im Winter mit Werra-Natureis gefüllt wurde.

Das Eis wurde auf dem gegenüberliegenden Werraufer hinter dem heutigen Gefrierhaus auf der Höhe der Deichwiese gebrochen und mit Pferdewagen über die Werrabrücke zum Eis­keller transportiert.
Panoramaaufnahme einer Eisernte
Für die "Eisernte" waren immer viele Hilfskräfte notwendig. Oftmals waren Landwirte, welche sich im strengen Winter ein Zubrot verdienten. Zunächst schlug man mit einer Axt ein Loch in die Eisfläche. Mit einer speziellen Eissäge schnitt man dann quadratische Blöcke etwa in der Größe von zwei mal zwei Meter.

Diese wurden anschließend von den kräftigen Männern mit den Eiszangen an Land gezogen. Dort wurden sie schließlich aneinandergeschlichtet und dann zerkleinert. Mit den Pferdewagen wurde dieses zerkleinerte Eis schließlich über die Werrabrücke in die Eiskeller gefahren.
Ein Eisschrank der wirklich noch mit Eis betrieben wurde
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