Stanislaw Wojtas
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Zwangsarbeit Lager Dankmarshausen
Stanislaw Wojtas wurde am 5.5.1906 in Lodz (Litzmannstadt) in Polen 120 km südwestlich von Warschau geboren.
Er war von Beruf Weber und war verheiratet mit Cecilia Wojtas und wohnte in der Triererstr. 48 in Litzmannstadt.
Er war ein zur Zwangsarbeit entlassener Kriegsgefangener, der in der Ringofen-Ziegelei in Heringen-Wölfershausen arbeiten musste und war im Lager Dankmarshausen auf dem Gelände des ehemaligen Bergwerks Alexandershall in Dankmarshausen untergebracht.
Ringofen-Ziegelei in Heringen-Wölfershausen, hier arbeitete der polnische Zwangsarbeiter Stanislaw Wojtas, der am 13. August 1941 im KZ Buchenwald ermordet wurde.
Das Lager befand sich auf dem Gelände der ehemaligen Kali-Schachtanlage Alexandershall III (Dankmarshausen), die sich ebenfalls in Besitz der Wintershall Aktiengesellschaft befand.
Die Fläche in Form eines spitzwinkligen Dreiecks wird im Osten vom Bahndamm der Werratalbahn und im Westen von einem Straßenzug mit Wohnbebauung begrenzt.
Die hier untergebrachten Menschen wurden größtenteils im Leichtmetallwerk des Konzerns - dem sog. Werk Heringen II eingesetzt um hier die kriegswichtige Magnesium-Legierung MAGNEWIN herzustellen.
Das Lager in Dankmarshausen lag ca. 4 Kilometer nördlich des Werkes.
Auch arbeiteten viele Zwangsarbeiter aus dem Lager in Dankmarshausein in der Ringofen-Ziegelei in Heringen-Wölfershausen, die Ziegelei gehörte zur Gewerkschaft Wintershall in Heringen. Sie baute eine Lehm- und Tonschicht ab, die dort vorkam.
Der Lageplan im Maßstab 1:1000 ist eine am 25. März 1944 von der Wintershall AG beim Bergamt eingereichte Lichthause (Diazotypie) und zeigt das sog. 'Wohn- und Kriegsgefangenenlagers' in Dankmarshausen.
Else Langlotz (25.12.1903 - Dezember 1942) aus Dankmarshausen hat das Geschäft ihres Mannes geführt, der eingezogen wurde und 1941 Soldat war. Ihr gutes Verhältnis zu den Fremdarbeitern war den führenden Leuten der NSDAP ein Dorn im Auge.
Als im Frühjahr 1941 eine deutsche Artillerieeinheit, die gerade vom Frankreichfeldzug zurückgekommen war und in Dankmarshausen Quartier hatte, sich zum Aufbruch rüstete und aus diesem Anlass einen Abschiedsball in der Gastwirtschaft zum Adler veranstaltete, an jenem Abend beobachtete der Kesselschmied Johannes S., Mitglied der NSDAP und der SA, wie der polnische Zwangsarbeiter Stanislaw Wojtas in das Haus von Else Langlotz am Bahnhof ging.
Fortan überwachte er das Haus, zog den Bahnhofsvorsteher Erwin H., Martin G. und Karl Sch. hinzu. Sie haben dann auch umgehend den Polizeiwachtmeister Plökner in Berka informiert und mit anderen Parteimitgliedern und Männern der Feuerwehr das Haus umstellt.
Den Bürgermeister Heuchel holte man vom Tanzsaal, er solle als örtlicher Polizeichef mit in das Haus Langlotz gehen, das war auch der Wunsch des Polizeiwachtmeisters. In diesem Moment ertönte die Sirene, im Dorf war Feuer ausgebrochen, Feuerwehr und Bürgermeister wandten sich unverzüglich dem Brand zu.
Der Wachtmeister und die Nazis haben dann den polnischen Arbeiter und seine Gastgeberin verhaftet.
Beide wurden in den Direktionsräumen des ortsansässigen Betriebes, in dem der Denunziant arbeitete, inhaftiert, am nächsten Tag von der Polizei verhört und geschlagen.
Am Nachmittag des nächsten Tages sammelten sich SA-Männer des Dorfes, sie schnitten Else Langlotz die Haare ab, setzten sie und Stanislaw Wojtas auf zwei Stühle an die Straße und hingen ihr ein Schild um mit der Aufschrift "Ich Sau habe mich mit einem Polen eingelassen". Das Dorf versammelte sich vor den Stühlen, die Menge beschimpfte und bespuckte die schon durch Schläge gezeichneten Menschen, Erwachsene und Kinder aus den Nachbardörfern fanden sich ein - ein Menschenauflauf wie ihn das Dorf noch nicht gesehen hatte. Danach führte man die Beiden in Handschellen durch das Dorf, gefolgt von einer großen Kinderschar, die fortwährend den Sprechchor "Ich Sau habe mich mit einem Polen eingelassen" wiederholte.
An den Straßenrändern gafften Neugierige und Menschen voller Schadenfreude. Frau Langlotz ist nach dieser unbegreiflichen Demütigung gemeinsam mit Stanislaw Wojtas nach Eisenach abtransportiert worden.
Der Leidensweg von Frau Langlotz endete im Dezember 1942 im Frauen KZ Ravensbrück, einem furchtbaren Vernichtungslager der Nazis.
Dieser Fall ist ein beklemmendes Zeugnis der rassistischen Verfolgung im Nationalsozialismus. Das Schicksal von Else Langlotz und Stanisław Wojtas dokumentiert die mörderische Konsequenz, mit der das NS-Regime gegen "verbotenen Umgang vorging".
Am 22. November 1948 wurden 8 Beteiligte wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit vom Oberlandesgericht in Gera zu 2 bzw. 3 Jahren Gefängnis verurteilt, alle Haftstrafen sind abgesessen worden bis auf Johannes L. der sich in den Westen abgesetzt hatte.
Schacht Alexandershall III Dankmarshausen aus dem Jahr 1927, auf dem Gelände wurde nach Sprengung des Schornsteines und der Fördergebäude ein Lager für Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter eingerichtet
Hier sind die Details zu ihrem Schicksal im historischen Kontext
- Stanisław Wojtas (1906–1941): Er war als polnischer Zwangsarbeiter im Lager Dankmarshausen untergebracht und leistete Arbeit in der Ringofenziegelei Wölfershausen. Nach der Entdeckung des Kontakts wurde er am 7. Juni 1941 in das Arbeitserziehungslager der Weimarer Gestapo im KZ Buchenwald deportiert. Dort wurde er unter dem Vorwand des „Rassenschutzes“ oder durch „Sonderbehandlung“ im August 1941 ermordet (angeblich Herzinsuffizienz).
- Else Langlotz (1903–1942): Sie wurde wegen „geschlechtlichen Umgangs mit einem Kriegsgefangenen/Zwangsarbeiter“ verhaftet. Solche Beziehungen wurden bei deutschen Frauen oft mit öffentlicher Demütigung und anschließender „Schutzhaft“ bestraft. Sie wurde in das Frauen-KZ Ravensbrück deportiert, wo sie im Dezember 1942 an den unmenschlichen Haftbedingungen oder gezielter Gewalt (angeblich an Typhus) starb.
- Historische Aufarbeitung: Der Fall ist in der Region Dankmarshausen/Werra-Tal als Beispiel für die drakonischen Strafen gegen die Zivilbevölkerung und Zwangsarbeiter noch heute bekannt.
Karteikarte des Konzentrationslagers Buchenwald bei Weimar von Stanislaw Wojtas
Standesamt Weimar II, 29. August 1941, Reichskartei für Testamente Berlin
Quellen:
Arolsen Archives:
https://collections.arolsen-archives.org/de/search/person/7438117?s=Wojtas,%20Stanislaus&t=0&p=1
https://collections.arolsen-archives.org/de/search/person/5280465?s=Wojtas,%20Stanislaus&t=751481&p=1
1998
Ludwig Zimmer
Dankmarshausen ein Heimatbuch
Ludwig Zimmer
Dankmarshausen ein Heimatbuch
Gemeindeverwaltung Dankmarshausen, Verlagshaus Frisch, Eisenach 1998
Der Fall Else L. - Seite 207-209, 219-222
2023
Insa Eschebach (Herausgeber), Christine Glauning (Herausgeber), Silke Schneider (Herausgeber)
Verbotener Umgang mit „Fremdvölkischen“: Kriminalisierung und Verfolgungspraxis im Nationalsozialismus (Edition NS-Zwangsarbeit: Schriftenreihe des Dokumentationszentrums NS-Zwangsarbeit) Taschenbuch – 2. Januar 2023 Herausgeber : Metropol-Verlag, 316 Seiten, ISBN-10 : 3863316800, ISBN-13 : 978-3863316808
Auf Seite 188 wird der Fall von Else Langlotz und dem polnischen Zwangsarbeiter Stanislaw Wojtas im Mai 1941 in Dankmarshausen an der Werra beschrieben. Else Langlotz wurde in das KZ Ravensbrück eingewiesen, wo sie im Dezember 1942 an Typhus starb. Stanislaw Wojtas wurde am 7. Juni 1941 in das Arbeitserziehungslager der Weimarer Gestapo im KZ Buchenwald gebracht, im August 1941 starb, er angeblich an Herzinsuffizienz.